Historie

Das Industriedenkmal - fichte - erlebte seit der Errichtung in der Blütezeit der industriellen Revolution Ende des vorletzten Jahrhunderts mehr als 100 Jahre deutscher Industriegeschichte im Wandel der Zeit.

Die historischen Gebäude waren auch die Geburtsstätte der Motorenwerke von Flugpionier Hugo Junkers. Am 13. Juli 1913 wurden die Junkers Motorenbau G.m.b.H. in Magdeburg gegründet. Hier wurden die ersten Junkers Schweröl Flugmotoren gebaut.
Sehen Sie auch www.junkers.de.

Errichtet, erweitert, verkauft, umgenutzt, umgebaut, demontiert, wiederbelebt, entwickelt und saniert.

Errichtet:

1881-1883 durch Erich v. Bendel, Maschinenbaufabrikant zu Magdeburg.
Im Zuge des in Magdeburg stark expandierenden Maschinenbaus zur Zeit der industriellen Revolution, wurde die Gasmotorenfabrik und Eisengießerei v. Bendel im Magdeburger Stadteil Sudenburg an der Fichtestraße (benannt nach dem Philosophen Johann Gottlieb Fichte) errichtet.

Erweitert

1895 Anbau der Kesselschmiede.
Ein wesentlicher Teil der heutigen multifunktionalen Veranstaltungslocation des KULTURWERK-fichte, ist die während der starken Expansion des Werkes angebaute Kesselschmiede im hinteren Bereich der Halle West, mit einer Größe von ca. 1000 qm.

Verkauft:

1913 wurde die Maschinenbaufabrik v. Bendel an die Ferdinand – Roth - Sauggasmotorenfabrik Magdeburg verkauft.
Der Produktionsbetrieb für Gasmotoren wurde in das Stammwerk von F. Roth ausgelagert.

Umgenutzt:

1913 durch die Junkers Motorenbau G.m.b.H.
Hugo Junkers, der am 1.12.1912 seine Forschungsarbeiten an der TH Aachen aufgab, widmete sich ab diesem Zeitpunkt gänzlich der Entwicklung von Flugmotoren und Flugzeugen. Das Stammwerk Junkers & Co in Dessau ist aufgrund seiner erfolgreichen Produktion von Schnellwassererhitzern hochprofitabel und stellt das finanzielle Rückgrad der Junkers Motorenforschung dar. Die Junkers Motorenbau G.m.b.H. werden in Magdeburg gegründet. Für Hugo Junkers ist Magdeburg als ein Standort hochinnovativen Maschinebaus die ideale Wahl und es gab Möglichkeiten hoch qualifizierte Arbeitskräfte anzuwerben.

1919 durch Georg Becker & Co Transport- und Fördertechnik
Die Nähe zum Sudenburger Bahnhof war eine ideale logistische Voraussetzung für die groß volumigen und schweren Produktionsgüter der Georg Becker Transport – und Fördertechnik. Bis 1935 produzierte das Unternehmen am Hauptproduktionsstandort Magdeburg-Sudenburg auch in der Fichtestrasse moderne Transport- und Förderanlagen. Nach der Enteignung in den Nachkriegsjahren des II. Weltkrieges wurde das Unternehmen in Volkseigentum überführt und nach der politischen Wende Anfang der 90 er Jahre privatisiert.

Die heutige benachbarte Magdeburger Förderanlagen G.m.b.H. ist eine der erfolgreichsten Privatisierungen und ist heute mit über 800 Mitarbeitern einer der größten industriellen Arbeitgeber in Magdeburg.

Umgebaut:

1936 durch die Fa. Eugen Polte Patronenwerke GmbH.
Die unsägliche starke Nachfrage nach Rüstungsgütern zu dieser Zeit, veranlasste die Fa. Polte, welche das Gelände nach dem Umzug von Becker in den benachbarten Produktionsstandort erworben hatte, die Werkshallen für die Produktion von Geschosshülsen jeglichen Kalibers umzubauen.

Demontiert:

1945 Ausbau aller Maschinen durch die sowjetische Militäradministration.
Im Zuge der Entmilitarisierung wurden ab 1945 alle Maschinen aus den Werkshallen ausgebaut, verladen und in die damalige Sowjetunion transportiert.
Bis 1951 standen die gesamten Fabrikgebäude ungenutzt und leer.

Wiederbelebt:

1951 als Produktionsbetrieb des VEB Brauerei- und Kellereimaschinen.
Der Produkte des VEB BKM entwickelten sich zu einem Exportschlager, auch in Länder die nicht zum Einflussbereich der Sowjetunion gehörten. Die Erfahrung der Ingenieure, Konstrukteure und Facharbeitern aus der langjährigen Tradition der Stadt Magdeburg als Wiege des Maschinen- und Anlagenbaus, fanden hier Ihren Wert.

Die ursprüngliche Bausubstanz wurde durch zu Produktionszwecken notwendigen zahlreichen Einbauten zunehmend verändert.

Ende der 70 er Jahre wurde der Betrieb durch die Errichtung einer neuen 5000 qm großen Produktionshalle und einem neuen Verwaltungsgebäude erweitet. Fast 600 Mitarbeiter hatten hier Ihren festen Arbeitsplatz.

Der alte Betriebsteil wurde nach und nach aufgegeben und Anfang der 90er Jahre als nicht mehr betriebsnotwendig veräußert.

Entwickelt und saniert:

ab 1993 durch die Fa. Gebr. Janssen GmbH Bauunternehmung seit 1869.
1993 erwarb das Familienunternehmen, mit Robert Janssen als geschäftsführenden Gesellschafter in der 4. Generation, die mittlerweile als Industriedenkmal geschützten, stark sanierungsbedürftigen Gebäude aus der Gründerzeit, mit der Zielstellung, den ursprünglichen Bauzustand als Schwermaschinenbaufabrik aus der Gründerzeit mit durchgehendem Mittelschiff wieder herzustellen. Dieses wurde realisiert unter Einbeziehung eines neuen Nutzungskonzeptes für die nicht mehr bedarfsgerechten Gebäude, mit der Maßgabe der Beibehaltung des sichtbar industriellen Charakters der zu sanierenden Gebäudesubstanz.